Die aktuellen Vorwürfe der mutmaßlichen Kartellbildung gegen die 3 großen deutschen Automobilfirmen BMW, Daimler und Volkswagen bringt klassische Krisenkommunikation an ihre Grenzen. Die Vorwürfe, die in jüngster Zeit gegen die Unternehmen öffentlich erhoben werden, lassen klassische Krisenkommunikationsstrategien weitgehend wirkungslos werden: Zum einen dürfte jede Äußerung bei der derzeitigen Wahrnehmungslage höchstwahrscheinlich nutzlos sein, da sie den Empfänger nicht wirklich erreichen dürfte („Das glauben die doch selbst nicht…“). Zum anderen können – gerade bei mutmaßlich schweren Gesetzesverstößen wie in diesem Fall zu vermuten steht –jede noch so kleine Nuance einer öffentlichen Äußerung erhebliche juristische Folgen haben. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die Konzerne und ihre Pressestellen komplett in Deckung gehen bzw. BMW sich nur mit einem aktuellen Statement zur „Diesel-Thematik“ (um bewusst hier den Euphemismus des VW-Konzerns aufzugreifen) zu Wort meldet.

Es bleibt in einer solchen Situation nichts weiter übrig, als die zahlreichen Anfragen zu einer Stellungnahme schmallippig mit den immer gleichen Formeln wie „… beteiligen uns nicht an Spekulationen …“, „… äußern uns nicht zu den laufenden Ermittlungen …“ oder „… warten das Ergebnis der Ermittlungen ab …“ nicht zu beantworten – um sich aus diesen Formel-Katalog zu bedienen, braucht´s allerdings auch keine kartellartige Abstimmung der Kommunikationsverantwortlichen…

Quelle: Ausriss Der Spiegel

Fokus jetzt auf das Reputationsmanagement legen

Sicher gibt es noch die ein oder andere kommunikative Möglichkeit für die Unternehmens-Kommunikatoren, jetzt in Nuancen die desaströse Wahrnehmung ihres Unternehmens ein wenig abzumildern. Daimler hat dies z.B. in Ansätzen geschafft, in dem der teilweise Rückzug aus dem Geheimrunden (unterstellt, es sei so gewesen) lanciert wurde und in den Medien aufgegriffen wird; wirklich besser wird´s dadurch nicht.

Insofern ist in einer solchen Situation meiner Meinung nach (wenn ich gefragt werden würde, was bislang aber noch nicht geschehen ist in dieser Causa…) der Fokus allein auf die mittel- und langfristige Wiederherstellung des Vertrauens in das Unternehmen, die handelnden Personen und die Konzern-Marke(n) zu legen; hierauf würde ich den Einsatz von manpower und Budget jetzt konzentrieren: Wie könnte eine wirksame Strategie aussehen, um eine positive Reputation nachhaltig wieder herzustellen? Welche Maßnahmen stellen die jetzt arg beschädigten Werte wie etwa Vertrauen oder Integrität am wirkungsvollsten wieder her?

Und, das ist die entscheidende Frage: Welche Personen aus der ersten Führungsreihe werden dieser Strategie das notwendige Gesicht geben? Natürlich muss eine Konzernkommunikation sowohl Strategie als auch die Maßnahmen mit dem gegenwärtig aktuellen Top-Managern planen. Ich würde (siehe oben, würde ich hier tätig sein) jedoch meine Kampagne so aufstellen, dass sie auch mit gänzlich neuen Figuren wirkt. Das kann ein Unternehmenskommunikator seiner (aktuellen) Führungsebene natürlich nicht sagen; er sollte es jedoch ernsthaft erwägen, um im Fall eines Personalwechsels – von dem sicher auszugehen ist – nicht wieder von vorn anfangen zu müssen.

Es wird spannend sein, die KollegInnen in den kommenden Wochen und Monaten bei dieser „ambitionierten Herausforderung“  zu beobachten.

 

Bild: Der Spiegel/Titelbild