Stilsicher in der/die Katastrophe.

Quelle: stern.de/ Nicholas Kamm/AFP

In meinen Trainings zur wirksamen Krisenkommunikation werde ich oft gefragt, welche Kleidung und welcher Ort angemessen seien für ein Kamera-Statement oder eine Pressekonferenz im Ereignisfall.

Jetzt habe ich eine klare Antwort, was definitiv nicht geht: High Heels und ein Fashion-Show-Outfit wie im Fall der @FLOTUS,

Quelle: watson.ch /epa
Quelle: watson.ch /epa

der First Lady of the United States wie im Fall #harvey. By the way: Wenn auch Stöckelschuhe später den unschuldigen weißen Sneakers (kaum besser) gewichen sind, aber diese Mütze geht gar nicht.

Oder macht hier eine „Influencerin“ vielleicht sogar Werbung für ein neues Mode-Label?

Wirksamkeit hängt auch von äußeren Umständen ab

Zurück zur Frage und zu den Antworten:

Ob ein Auftritt authentisch wirkt oder deplatziert, hängt auch von bildgebenden Umständen ab, also: Ort, Zeit, Kleidung, Hintergrund.

Polizei oder Rettungsdienste haben mit der Kleidung keine Probleme, weil sie in aller Regel in Uniform daherkommen und damit allein deswegen schon die Autorität des Offiziellen ausstrahlen.

Für Unternehmenskommunikatoren daher mein Rat: Nutzen auch Sie die Wirkung einer Uniform; das kann Werkskleidung sein oder die Arbeitsschutz-Jacke. Die ist ohnehin bei vielen Unternehmen vorgeschrieben (oft neben Sicherheitsschuhen und Helm usw.), wenn es aus der Komfort-Zone Büro hinaus in die Wirklichkeit geht. Keine Sorge, wenn die regelmäßig grellgelben oder -orangenen Jacken jeden Kameramann vor eine Herausforderung stellen – nicht Ihr Problem.

Und noch ein Tipp: Sie sollten immer eine dunkle, gedeckte Krawatte bereit haben oder einen gedeckten Blazer mit neutralfarbiger Bluse für den Fall, dass Sie traurige oder tragische Nachrichten zu überbringen haben.

Ran ans Geschehen, wenn es die Helfer nicht stört

Wirklichkeit ist ein weiteres, gutes Stichwort für wirksame Krisenkommunikation: Das Büro ist in aller Regel der schlechteste Ort für ein Interview in Krisensituationen. Auch hier gilt die Devise: Raus zum Ereignis, nah an den Ort des Geschehens. Sicher ist es schwierig, vor „rauchenden Trümmern“ zu positionieren, aber: Die Trümmer rauchen nun mal (schlimm genug!) und die Kameramänner und Fotografen werden diese Bilder einfangen; diese Bilder werden auch die Berichterstattung dominieren. Deshalb ist es auch in Ordnung, vor diesem Schreckensbild die Botschaften des Unternehmens zu kommunizieren. Wichtig: Ereignisbewältigung hat immer und ohne Ausnahme Vorrang vor Kommunikation. Wenn Ihr „Auftritt“ Hilfsmaßnahmen stört oder gar behindert, verzichten Sie.

Niemals ohne inhaltliche Vorbereitung ins Statement gehen

Zeitpunkt der Krisenkommunikation vor Ort? So schnell wie möglich, aber auch erst dann, wenn Sie als Kommunikator auf Ihr Statement vorbereitet sind. Hier mein dringender Rat: Niemals, niemals und nochmal niemals ohne Vorbereitung in eine Mediensituation stolpern. Jeder Versuch, „so nebenbei“ ein wirksames Statement abzugeben, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Erst wenn das kommunikative Ziel der Ereigniskommunikation definiert ist, die Botschaften gesetzt sind und der Fragen-Antworten-Katalog (mindestens rudimentär) steht, kann Krisenkommunikation beginnen; und keine Sekunde früher.

Inszenierung und Haltung müssen kongruent sein

All diese Überlegungen aber sind hinfällig, wenn Sie die äußeren Umstände nur als Inszenierung verstehen, also Kulisse und Inhalt nicht übereinstimmen. Ein Beispiel: Es ist fatal, sich volksnah vor dem dampfenden Topf einer Suppenküche zu positionieren, wenn Ihrem Unternehmen die Versorgung der betroffenen Menschen im Krisenfall völlig egal ist und Sie etwa entsprechende Hilfeersuchen zuvor abgelehnt haben. Sie können sicher sein, dass irgendeiner der Helfer der Suppenküche ein Mikrofon oder Schreibblock findet und seine Verwunderung über Ihr plötzliches, aber nur scheinbares Interesse an der Hilfsmaßnahme öffentlichkeitswirksam zu Protokoll gibt.

Die Inszenierung muss also der wahrhaften Haltung Ihres Unternehmens und seinem realen Verhalten entsprechen!

Kommunikation im Ereignisfall ist immer eine „Herausforderung“. Wenn Sie Unterstützung in diesem Bereich benötigen, wir bieten eine große Bandbreite zur Ereignis- und Krisenkommunikation an: etwa Management-Systeme, Leitfäden, Arbeitshilfen und natürlich Medientrainings.

Sprechen Sie uns an.

Quellen: stern.de/ Nicholas Kamm/AFP